München-Sylvenstein-Achensee-Jenbach-Volders. Hier auf die
alte Brennerstrasse über Tulfes-Patsch-Ellbögen nach Matrei. Auf dieser Strecke die ersten Kontakte mit engen Kehren. Sie stellen eine große Herausforderung dar. Selten, dass ich auf Anhieb die richtige Linie finde. Bin froh, wieder auf der Hauptstrasse zu sein und mache hinter Matrei an einem Kiosk Mittagsrast.
Es geht dann weiter über Sterzing hinauf auf's
Penser Joch. Unterwegs musste ich auf Reserve schalten und natürlich oberhalb der Baumgrenze keine Tanke. Wird schon reichen, es geht ja nach dem Gipfel nur noch runter; alles im niedrigen Drehzahlbereich. Es hat sich dann heraus gestellt, dass noch gut 6ltr. im Tank waren, also mehr als 100km.
Vor Bozen dann enge Kurven und Tunnels mit starkem Gegenverkehr. Ich bin viel zu schnell, schaue in die falsche Richtung - Panik. Ich vergesse alles, was ich über den Lenkimpuls gelernt habe und flüchte mich in den 2. Gang. So schleiche ich durch die Tunnels und komme dafür aber wohlbehalten in Bozen an. Bozen - Temperatursprung um mind. 15 Grad. D.h. Fleeceweste aus und alle Lüftungsmöglichkeiten in der
Stadler-Jacke auf. Nächstes Etappenziel Trient und dann nach links ins Gebirge. Dabei habe ich mich in Trient hoffnunslos verfahren. Es sah auf der Karte ganz einfach aus. Aber irgendwie habe ich es dann über einen Vorort von Trient geschafft auf die
SS349 einzufädeln. Tagesziel war dann der
Campingplatz Spiaggia in Calceranica al Lago. Vorher waren aber noch die 5 steilen Tornati zum See hinunter zu bewältigen. Ich war dermaßen unsicher, dass mein Fahrstil, von aussen besehen, sicher nichts mehr mit dem eleganten "in die Kurve legen" gemeinsam hatte.
Beim Abendessen im Seerestaurant habe ich dann die Lichter der Fahrzeuge auf den Serpentinen gesehen und nur daran gedacht, dass ich da morgen wieder rauf muss.
Dienstag, 27.05.2008, 2. Tag
Kehren bis zum Abwinken, wird aber immer besser. Das hat schon am Morgen angefangen. Die 5 Kehren, die mir gestern noch Angst eingeflößt haben, liefen ganz gut, wohl auch, weil's bergauf ging.
Toll die Abfahrt ab Tortima auf der SP72 nach
Bassano del Grappa. Da fährt man über die Hangkante und die Vegetation wechselt von alpin nach mediterran. Erst noch Mischwald, dann innerhalb weniger Kilometer Palmen.
Vor Tortima habe ich die "Transe" umgelegt. Ich hatte mich verfahren und wollte über ein Kiesbett neben der Straße wenden. Der Lenker war bereits eingeschlagen, aber ich hatte statt dem 1. Gang den Leerlauf eingelegt. Dadurch konnte ich die Maschine nicht mehr hoch ziehen und es blieb mir nichts anderes übrig, als sie langsam auf die linke Seite zu legen. Ich habe das Gepäck abgenommen, aber es war mir nicht möglich das Motorrad gegen die Steigung aufzurichten. Ein vorbei kommender Radfahrer hat mir dann geholfen. Danach war ich sehr unsicher, aber nach 15 min. war die Konzentration wieder da.
Bei Padua habe ich mich wieder mal hoffnungslos verfahren. Die Fahrt durch die Poebene ist langweilig. Außerdem bin ich wieder auf Reserve und es gibt nur Automatentankstellen. Dieses Problem begleitet mich durch ganz Italien. Man muss immer dafür sorgen 5€- oder 10€-Scheine zu haben.
Das heutige Etappenziel war der
Campingplatz Vigna sul mar im Podelta. Ich habe mich mit einem 3-Gänge-Menü im Camping-Restaurant belohnt. Zum Ende der Etappe habe ich nicht mehr gewusst, ob man rauf oder runter schalten muss.
Mittwoch, 28.05.2008, 3. Tag
Bis Ravenna im LKW-Verkehr, langweilig! Ab Cesena wieder Landstrasse. Secciano-Pietracuta-San Leo-Carpegna-Pennabilli-Sansepolcro-Cittá di Castello. Wir sind in unserem Element. Ich bereue es nicht, die neue Route gefahren zu sein, sie ist nicht minder interessant als die bekannte Route über Forli-Rocca san Casciano.
In
San Leo bin ich durch den Ort gefahren, immer bergauf, dann über den Marktplatz wieder bergab. Hab mich dann wohl verfranzt und bin plötzlich vor Treppen gestanden. In James Bond-Filmen fahren sie da auch runter, aber ich hab's lieber bleiben lassen. Hab' dann die Maschine gegen den Hang umgedreht, war auch eine neue Erfahrung. Immer den Fuss auf der Bergseite abstellen - ja nicht auf der Talseite!!! Dann langsam stark eingeschlagen vorwärts, zurück rollen lassen mit Gegeneinschlag. Das ganze dreimal, dann war ich durch. Gott sei Dank keine Einbahnstrasse.
Vor Sansepolcro frischer, rutschiger Asphalt in den Kurven. Zum Etappenende war ich froh, die "Transe" nur noch laufen lassen zu können. Schade, dass im Campingplatz La Montesca das Restaurant geschlossen war und es nur Microwellenkost gab.
Fazit bis heute: das Wichtigste ist der Kurvenblick - die Maschine fährt wirklich dahin, wohin Du schaust. Ich spreche mit der "Transe"!